Wir, Nicola Casanova von der Sektion Bremgarten und Agnes Bayer aus der Sektion Mutschellen/ Kelleramt, besuchten diesen hochinteressanten Parteitag und berichten hier was uns bewegte, interessierte und betroffen gemacht hat. Dies ist keineswegs eine abgerundete Darstellung dieser zwei Tage, vergleichbar mit einem Protokoll.
Schon die Reise nach Thun ist viel wert. Wir tauschen interessante Erkenntnisse aus unserer politischen Lektüre aus. «The Unvisible Doctrine» von Monbiot, von Sven Beckert «Der Kapitalismus» oder «Wir konnten auch anders» von Annette Kehnel seien hier sehr empfohlen.
Samstag, 17. Okt. 2026
Pünktlich um 13 Uhr wird der Parteitag eröffnet und die üblichen Eröffnungsgeschäfte werden abgewickelt. Uns fasziniert immer wieder, wie wortgewaltig und packend unsere Rednerinnen und Redner die aktuell ständig aufgenommen Themen neu und interessant darstellen. Es sprechen unsere Co-Präsi-Personen Mattea Meyer und Cédric Wermuth und unsere prominenten Genoss:innen Beat Jans, Alain Berset und Elisabeth Baume-Schneider, letztere sinnvoll platziert zwischen den abzuwickelnden Traktanden.

Wir lancieren die Gewaltschutz-Initiative mit 18 Paar roten Frauen-Schuhen, welche die 18 Femizide im laufenden Jahr und damit die Gleichgültigkeit unseres Staates gegenüber der Abwertung des Weiblichen oder weiblich Gelesenen symbolisieren. Die Formulierung «Liebe Frauen bis Männer» wird in diesem Zusammenhang das erste Mal gebraucht am Parteitag.
Bei den Parolenfassungen für die eidg. Abstimmungen beschliessen wir:
- Ja zur Demokratie-Initiative
- Nein zum Freihandelsabkommen mit Malaysia
- Nein zu neuen AKW
Den ersten Teil der Resolutionen (R) und Anträge (A) bearbeiten wir am Samstag. Es sind dies:
- Verschiebung der R 1: Antimilitarismus ist keine Option, sondern eine Pflicht
- Annahme der R 2: Hitzeschutzmassnahmen wie Sofortmassnahmen in Schulen und Altersheimen, ab 33 ° bezahlter Arbeitsstopp bei Aussenarbeiten, Entsiegelung, Renaturierung und Begrünung.
- Annahme des A 1: Ausarbeitung einer Initiative zur Besteuerung des Überreichtums
- Annahme von R 3 für eine auf dem Völkerrecht beruhende Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes
- Ablehnung von A 2 zur Findung einer anderen Wahlkampfstrategie für 2027
Zu allen Punkten melden sich viele engagierte Genossinnen und Genossen, welche uns vertiefte Einblicke in die einzelnen Lösungsansätze ermöglichen.
Mit Apéro und Parteitagfest lassen wir den Tag ausklingen. Wobei unser Fest eher ein gemütliches Abendessen war. Wir übernachten in der herzigen kleinen Jugi in Brienz und wollen nicht zu spät in die Federn kommen.
Sonntag, 18. Okt. 2026
Nach der Genehmigung der Berichte beschäftigen wir uns mit dem Positionspapier «Gute Arbeit für alle». Dieses zusammenzufassen übersteigt diesen Kurzbericht vom Parteitag. Es geht um Positionen wie klare Regelungen von Homeoffice, gleichberechtigte Gehälter, Recht auf Weiterbildung, keine Lohneinbussen bei Krankheit u.v.m. Alles extrem wichtige Anliegen, um Gewinne der boomenden Arbeitsmärkte entsprechend an Lohn- und Rentenabhängige weiterzugeben. Es sind im Vorfeld 69 Änderungsanträge zum Dossier eingereicht worden. Jene, welche die GL nicht zur Annahme empfiehlt, werden besprochen.
Entsprechend wird die Parolenfassung mit einem Nein zum Angriff auf die Mindestlöhne verabschiedet.

Bei den statutarischen Geschäften sind wir betroffen, dass Leo Keller (AG) nicht mehr als frei gewähltes Mitglied des Parteirates gewählt wird.
Wir unterstützen:
- Bienen Initiative
- Internet-Initiative
- Mobilitäts-Initiative
- Referendum Freihandelsabkommen mit Mercosur-Staaten
Bei R 4 und 5 geht es um die Einmischung und Kontrolle des Staates bei der Regulierung von Ki. Wertschöpfung soll nicht privatisiert während Risiken sozialisiert werden.
R 8 zeigt uns nochmals eindrücklich die Abgründe chemischer Unterwerfung im Zusammenhang mit sexualisierter Ausbeutung auf. Wir halten eine Schweigeminute im Gedenken an die betroffenen Frauen.
Überraschend früh sind alle Traktanden bearbeitet und der Parteitag wird mit der Internationalen beschlossen. Er hinterlässt Spuren, die Mut machen und Energie geben. Super!!!
Vielen Dank an jede Genossin bis Genosse!!
